Was ist Leichte Sprache?


Inklusion durch Worte!

Leichte Sprache ist mehr als nur ein stark verkürzter Satzbau mit vielen Bildern: Das Übersetzen ermöglicht es im Lesen ungeübten Mitmenschen, einen Zugang zu Literatur, Politik, Nachrichten und Wissen zu bekommen.
Die Zielgruppe von Leichter Sprache besteht unter anderem aus Menschen mit Behinderung, Menschen mit Lernschwierigkeiten, Migranten und Flüchtlingen, Kindern, Erwachsenen und Senioren. Diesen bereitet es manchmal Schwierigkeiten, schwere Texte in der Standardsprache lesen und verstehen zu können. Eine barrierefreie oder barrierearme Kommunikation soll dabei helfen, dass Teilhabe möglich ist.

 

1 Texte für neue Zielgruppen
2 Leichte Sprache als Mittel zur Teilhabe
3 Beispiel für eine Übersetzung
4 Regeln der Leichten Sprache

5 Daumen hoch! Siegel für Leichte Sprache
6 Muss Leichte Sprache geprüft werden?

7 TIPP: Einfache Ausgangstexte erleichtern das Übersetzen

 

  

 1 Einfache Texte für neue Zielgruppen

Eine Untersuchung der Universität Hamburg besagt, dass ungefähr 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland nicht ausreichend lesen können. Das heißt, dass sie die einzelnen Wörter zwar verarbeiten und auch einen Satzzusammenhang herstellen können, aber die Satzaussagen zweier Sätze nur schwer oder gar nicht miteinander verknüpfen können.

Von Leichter oder einfacher Sprache können also viele Menschen profitieren, funktionale Analphabeten (ca. 7,5 Millionen Erwachsene in Deutschland, ca. 900000 davon mit höherer Bildung), Migranten mit vorerst geringen Deutschkenntnissen, Menschen mit Behinderung oder Senioren, deren Sprachzentrum zum Beispiel aufgrund eines Schlaganfalls beschädigt ist. Die internationale Schulleistungsstudie der OECD, PISA, attestiert weiterhin 20 Prozent der 15-jährigen Schüler Probleme beim Erfassen von Textaussagen.

 

 Die Übersetzung in Leichte Sprache verbessert die Teilhabe unserer Mitmenschen.
Die Übersetzung in Leichte Sprache verbessert die Teilhabe unserer Mitmenschen
 
 
 
 

 

2 Leichte Sprache als Mittel zur Teilhabe: Vertragstexte, Behördendeutsch, Kindergeschichten

Verständliche Informationen sind eine wesentliche Voraussetzung für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben:

  • Wir müssen Verträge verstehen können,
  • E-Mails und Briefe von Behörden oder Ärzten,
  • SMS-Nachrichten von den Kollegen,
  • Fahrkartenschalter und Anzeigetafeln.
  • Wer nicht oder nicht gut lesen kann, kann auch den eigenen Kindern keine Gute-Nacht-Geschichten oder Kindergeschichten vorlesen.

Menschen mit Leseschwäche, geringen Deutschkenntnissen, Lernschwierigkeiten oder kognitiven Defiziten werden leider viel zu oft über eine zu schwere Sprache als Zielgruppe von interessanten Texten ausgeschlossen. Dabei sollte es jedem Leser gleichermaßen möglich sein, auf Informationen und Literatur in verständlicher Form zugreifen zu können.

 

 

3 Standardsprache, einfache Sprache und Leichte Sprache: Beispiele

Man kann komplexe Sachverhalte auch einfacher ausdrücken. Ich habe einige Beispiele für Leichte Sprache, einfache Sprache und Standardsprache für Sie zusammengestellt.

 

Beispiel Standardsprache

Datenschutzbestimmungen für Kinder

Die Kinder werden beim Erstellen der Website darum gebeten, sparsam bei der Weitergabe der eigenen personenbezogenen Daten wie Adresse, Telefonnummer oder Alter zu sein. Auch den Kindern unbekannte Personen können unter gewissen Umständen auf deren Profil zugreifen.

 

Beispiel einfache Sprache

 

Vorsicht mit euren Daten!

Überlegt immer ganz genau, was ihr anderen im Internet über euch erzählt und was ihr lieber für euch behalten wollt. Grundsätzlich sollen eigentlich alle Informationen über euch geheim bleiben! Eure Adresse, eure Telefonnummer oder euer Alter gehören z. B. nicht ins Internet. Oder kennt ihr alle Menschen, die sich eure Profilseiten ansehen?

 

Beispiel Leichte Sprache

 

Vorsicht mit deinen Daten

 

Im Internet sind viele verschiedene Menschen.

 

Du kannst nicht jeden davon kennen.

 

Einige Informationen von dir sollen geheim bleiben.

 

Sie gehören nicht ins Internet.

 

Zum Beispiel:

 

  • deine Adresse
  • deine Telefon-Nummer
  • dein Alter.

 

Überlege immer ganz genau:

 

Soll ich das der unbekannten Person wirklich erzählen?

 

Oder soll ich das lieber für mich behalten?

 

 

 

4 Leichte Sprache: Regeln

Es gibt in Deutschland verschiedene akzeptierte Regelwerke: zum Beispiel von Inclusion Europe, dem Netzwerk Leichte Sprache oder die BITV. Viele Lebenshilfen und Agenturen erstellen zusätzlich eigene Regeln und Wörterbücher und verkaufen so teure Zertifikate bzw. Siegel, deren Nutzen nicht erwiesen sind.

Universitäten (u. a. in Hamburg, Hildesheim und Mainz) forschen schon lange an Literalität, Verständlichkeit und Rezeption von Texten; diese Forschungsergebnisse fließen in die Regeln der Leichten Sprache ein und machen diese Form der Kommunikation kontinuierlich leichter.

Mit Hurraki ist auch ein Wörterbuch für Definitionen einzelner Begriffe entstanden, das beim Übersetzen helfen kann und so Inklusion vereinfachen soll.

Die Regeln der Standardwerke sollte man beherrschen, man sollte die Zielgruppe kennen und Geduld mitbringen: Das Übersetzen dauert teilweise recht lange, weil einige Passagen gekürzt und andere Passagen hinzugefügt werden müssen.

Wenn einige Informationen nur mit einem gewissen Vorwissen verstanden werden können, muss dieses Vorwissen in den Text eingearbeitet werden. Der Übersetzer ist also gleichzeitig auch immer Texter, der durch das Übersetzen die Länge (und Kürze) der Texte stark beeinflusst.

Durch die Bilder, die vereinfachte Satzstruktur und die typografischen Vereinfachungen sieht das Ergebnis für den geübten Leser anfangs ein wenig befremdlich aus. Wenn es aber hilft, dass mehr Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben, sich politisch bilden und Literatur zum Entspannen und Träumen lesen können, hat sich der Aufwand der Übersetzung schon gelohnt.

 

 

5 Daumen hoch! Siegel für Leichte Sprache

Es gibt verschiedene Siegel, mit denen leichte Texte beworben werden können. Diese Siegel sollen zeigen, dass es sich um Publikationen handelt, die nach vorgegebenen Richtlinien übersetzt und leicht zu verstehen sind. Die bekanntesten Prüfsiegel sind die Siegel von Inclusion Europe und der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim. Diese Siegel sind weit verbreitet und haben den Vorteil, dass sie von jedem kostenlos genutzt werden dürfen.


Dieses Prüfsiegel für eine Übersetzung in Leichte Sprache mit dem bekannten Zeichen „Daumen hoch“ bedeutet, dass nach den Vorgaben von Inclusion Europe übersetzt und geprüft wurde.
Prüfsiegel von Inclusion Europe




Dieses Prüfsiegel für eine Übersetzung in Leichte Sprache darf von allen für Texte in Leichter Sprache verwendet werden, besonders für Texte ohne eine weitere Prüfung durch Leser aus der Zielgruppe.
Siegel „Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim
 
 
 

6 Muss Leichte Sprache geprüft werden?

Dafür gibt es keine eindeutige Antwort und es kommt darauf an, ob Sie eines der oben gezeigten, kostenlosen Siegel verwenden wollen.

Wollen Sie das Siegel von Inclusion Europe nutzen, dann muss der Text geprüft werden. Eine Regel zur Nutzung des Logos für leichtes Lesen von Inclusion Europe betrifft explizit das Prüfen der Texte:

 

Ein oder mehrere Menschen mit geistiger Behinderung, sollten Ihre Publikation Korrektur gelesen haben. Der Name der Korrekturleser sollte in der Publikation erscheinen.

Bei einer 20-seitigen Broschüre muss also die gesamte Publikation beim Prüfen vollständig und eigenständig gelesen werden. Die Arbeitszeit der Prüfer sollte dabei selbstverständlich vergütet werden. Im Anschluss erfolgt eine Überarbeitung des Textes nach den Vorgaben der Prüfer durch den Übersetzer (übersetzen > prüfen > überarbeiten). Anhand des Prüfberichts können Sie sehen, welche Änderungen von den Prüfern angestoßen wurden, und wie der Übersetzer diese umgesetzt hat.

Bei Inclusion Europe wird explizit erwähnt, dass es sich bei den Prüfern um Menschen mit geistiger Behinderung handeln soll. Da diese Zielgruppe aber nur einen kleinen Anteil all derer abdeckt, die von Leichter Sprache profitieren, kann sich diese Prüfung für einige Publikationen als sehr schwierig oder nicht rentabel erweisen.

Anders als das Siegel von Inclusion Europe darf das Siegel der Universität Hildesheim auch für Texte ohne eine Prüfung durch Leser aus der Zielgruppe genutzt werden. Die Nutzung dieses Siegels spart für die Auftraggeber Zeit und Kosten und soll es so ermöglichen, noch mehr Texte in Leichte Sprache zu übersetzen.

Leichte Sprache: Kritik

Verschiedene Anbieter, die über einen Zugang zu Menschen mit Behinderung verfügen (weil sie Teil eines Unternehmensverbunds sind, zu dem z. B. Werkstätten für Behinderte zählen), werden naturgemäß sagen, dass eine Übersetzung nur dann richtig ist, wenn sie von der Zielgruppe geprüft worden ist. So schützt man sein Geschäftsmodell und macht es anderen Übersetzern schwer.

Im Gegensatz dazu gibt es aber nunmal die Standardwerke von dem BMAS, von Duden, die BITV etc. Da davon auszugehen ist, dass diese Regeln korrekt sind, muss das Ergebnis einer Übersetzung bei Einhaltung der Regeln nicht erneut geprüft werden. Das ist wie bei einer regulären Übersetzung: Wenn Sie einen Text vom Deutschen ins Englische übersetzen, wird dieser ja auch nicht von der Zielgruppe geprüft und erst dadurch „englisch“.

 

 

7 Tipp: Einfache Ausgangstexte erleichtern das Übersetzen


Als Autor können Sie die Qualität der Übersetzung in einfache und Leichte Sprache zu gewissen Teilen auch selbst beeinflussen: und zwar schon beim Erstellen der Ausgangstexte! Wenn die Ausgangstexte übersetzungsgerecht geschrieben werden, können Übersetzung und Nachbearbeitung schneller vonstattengehen. Wenn im Ausgangstext z. B. keine Synonyme verwendet werden, muss der Übersetzer a) nicht nachfragen, welches Wort dem Autor am besten gefällt bzw. juristisch unmissverständlich ist oder b) keine Wortlisten erstellen. Das spart Zeit und Geld!

Weitere Merkmale gut zu übersetzender Ausgangstexte sind eine logische Reihenfolge der Handlungen (z. B. kausal, temporal) und erklärende Zusätze bei neu eingeführten Wörtern oder komplexen Ideen.

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Gerne beantworte ich jede Ihrer Fragen, so gut ich kann!

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