Whitepaper Preise

Marktübersicht und Preiskalkulation für Selbstständige

 

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Mathias Stolarz | Lektorat Stolarz

In diesem Artikel finden Sie:
 
  • Berechnungsgrundlagen für Honorare
  • Wie sich die Preise am Markt in den letzten ca. 16 Jahren entwickelt haben und warum Dumpingpreise eine Gefahr für Selbstständige darstellen
  • Marktfähige Preise als Stundensatz
    (Tipp: Rechnen Sie nicht über Seitenpreise ab)
  • Aktuelle Beispiele aus dem Internet
  • Vieles mehr

 

Wenn Sie BESSERE Angebote abgeben und ENTSPANNTER an den Ruhestand denken wollen, ist dieser Text genau das richtige für Sie!

Dieser Artikel spiegelt übrigens nur die Ergebnisse meiner Recherche wider und gibt einen Überblick, der vielen Soloselbstständigen fehlt. Jeder und jede Selbstständige ist für die eigene Kalkulation verantwortlich und kann selbstverständlich auch höhere oder niedrigere Preise festlegen.

 

Warum es wichtig ist, über Preise zu sprechen

 

Als Freiberufler muss man Rücklagen für die kommenden Jahre bilden, Büroausstattung, Arbeitsmittel und Weiterbildungen finanzieren und für das Alter vorsorgen. Wenn wir uns im Internet die Seitenpreise und Stundensätze einiger Selbstständiger ansehen, müssen wir feststellen, dass das bei vielen ganz objektiv einfach nicht klappen wird.

Warum ist das so?

Der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) schrieb vor der Neugestaltung der Website im Sommer 2021:

 

Wer freiberuflich arbeitet, kann nur etwa die Hälfte der geleisteten Arbeitszeit tatsächlich fakturieren und muss darüber hinaus alle betrieblichen Kosten selber tragen. So schlägt am Ende leicht das Dreifache des Bruttostundenlohns von Angestellten zu Buche. Das sollten Sie bei der Preisverhandlung berücksichtigen.
(Quelle: alte Website des VFLL)

 

 

1


Nur die Hälfte der geleisteten Arbeitszeit ist fakturierbar?!

50 Prozent der geleisteten Arbeitszeit werden fakturiert, also den Kunden in Rechnung gestellt – 50 Prozent der Arbeitszeit haben nicht direkt mit der Dienstleistung zu tun, sollten aber trotzdem irgendwo in der (internen) Kalkulation auftauchen. In dieser Zeit sind Selbstständige ihre eigene IT-Abteilung, Marketingabteilung, das Controlling und Sekretariat.

Echte Profis eben.

Diese unbezahlten 50 Prozent sind für das Unternehmen genauso wichtig wie die eigentliche Arbeit:

 

  • Kunden auf sich aufmerksam machen
  • Angebote erstellen
  • Rechnungen schreiben
  • Kunden an die Rechnungen erinnern
  • sich weiterbilden
  • Arbeitsprozesse optimieren
  • noch einmal an die Rechnungen erinnern
  • Zeitmanagement
  • Steuern und Voranmeldungen einreichen
  • neuen Computer kaufen
  • Computerprobleme beheben
  • Büroausstattung kaufen
  • netzwerken
  • und vieles mehr

 

 

Bei Berufsanfängern kann man auch davon ausgehen, dass noch nicht einmal 50 % der Arbeitszeit fakturierbar sind und mehr Arbeit in die Akquise gesteckt werden muss.

 

 

2


Wie hoch ist die fakturierbare Arbeitszeit bei Freiberuflern?

Jedes Jahr gibt es ungefähr 260 Wochentage und im Durchschnitt 10 Feiertage, die auf einen Wochentag fallen. Das bedeutet, es gibt maximal 250 Arbeitstage. Maximal, weil von diesen Tagen (wahrscheinlich) noch Krankheitstage – im Bundesdurchschnitt 2017: 17,4 Tage – und (hoffentlich) Urlaubstage – im Bundesdurchschnitt: 30 Tage – abgezogen werden müssen.

 

 

Tage im Jahr

Mo–Fr


Feiertage


Krankheitstage


Urlaubstage


Arbeitstage

365

260

–10

–17,4

–30

= 202

 

Von den Arbeitstagen bleiben also nach Abzug der Krankheits- und Urlaubstage noch 202 Tage übrig.

Fertig? Nicht ganz.

Denn nur 50 Prozent der Arbeitstage können durchschnittlich in Rechnung gestellt werden. 50 Prozent von 202 Tagen ergeben also 101 Tage, die der Selbstständige an Kunden verkaufen kann.

Oder anders: 101 Tage × 8 Stunden = 808 Stunden pro Jahr.

 

Arbeitszeit in Tagen

Fakturierbare Arbeitszeit (ca. 50 %) in Tagen 

Fakturierbare Arbeitszeit (ca. 50 %) in Stunden

202

= 101 Tage

= 808 Stunden

 

 

 

3


Die ehemaligen Honorarempfehlungen

In einer Honorarumfrage für das Jahr 2006 kam heraus, dass der jährliche Bruttoumsatz der Verbandsmitglieder mit einer Wochenarbeitszeit von 32 Stunden bei ernüchternden 17.000 Euro lag. Die Sozialabgaben mussten davon noch abgezogen werden (https://www.boersenblatt.net/archiv/225144.html).

Die damalige Honorarempfehlung lag zwischen 32 und 53 Euro je Stunde.
 

 

4


Dumpingpreise als Marketingstrategie?

Obwohl diese Honorarempfehlungen seit über 10 Jahren nicht mehr aktualisiert worden sind und überhaupt nicht mehr veröffentlicht werden, berufen sich auch heute noch viele auf diese.

 

 

Ich orientiere mich bei meinen Honorarberechnungen an der Honorarempfehlung des VFLL

 

Meine Preise orientieren sich an den Honorarempfehlungen des Verbandes der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) e. V.

 

In der Gestaltung meiner Preise orientiere ich mich an der Honorarempfehlung für freiberufliche Lektoratsarbeit vom deutschen Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren, VFLL

 

Die Tatsache, dass es keinen aktualisierten Marktmonitor gibt, ist vor allem für Berufsanfänger oder Quereinsteiger problematisch. Diese stehen plötzlich vor der Frage, wie sie ihre Preise wirtschaftlich sinnvoll kalkulieren sollen. Das endet nicht selten in einem permanenten Unterbieten der anderen Dienstleister, ganz nach dem Motto „Wenn ich billiger als alle anderen bin, dann wird bestimmt bei mir gekauft und ich baue mir einen treuen Kundenstamm auf“.

In der BWL heißt das Penetrationsstrategie. Kann funktionieren, muss aber nicht.

(Es wird nicht funktionieren: Sobald ein anderer billiger ist als Sie, wird der treue Kunde abwandern.)

 

 

5


 

 

 

 

 

 


Gibt es vielleicht Empfehlungen von anderen Verbänden?

 

Ja, die gibt es zum Glück!

 

Die mediafon GmbH nennt im Jahr 2008 diese Preise für „Korrekturlesen und Lektorat“ für den Fachverband Freier Werbetexter:

50–80 Euro je Stunde (Durchschnitt 70 Euro)

 

Der Deutsche Journalistenverband gibt im Jahr 2013 diese Honorarsätze für Journalisten in der PR an:

70–130 Euro je Stunde für Redaktion/Redigieren

 

Der Bundesverband freiberuflicher Kulturwissenschaftler empfiehlt 2015 diese Preise:

40–60 Euro je Stunde für ein Lektorat (im Sinne von Korrektorat)

60–80 Euro je Stunde für Bild- und Textredaktion


Der österreichische Berufsverband für Dolmetschen und Übersetzen hat im Jahr 2020 unter den Mitgliedern diese Stundensätze erhoben:

70–100 Euro je Stunde für Korrektorat, Lektorat und Textproduktion

 

Wir sehen also: Es geht bergauf.

 

 

 6


 

Was wäre, wenn ...

 

 

2,00 Euro pro Normseite 

 

2,00 Euro pro Normseite × 10 Normseiten die Stunde* = 20 Euro pro Stunde

Maximal 808 verkaufbare Stunden × 20 Euro pro Stunde = 16.160 Euro pro Jahr

Davon werden abgezogen:

  • Steuern: ca. 14,9 Prozent (2.408 Euro),
  • Krankenversicherung: ca. 500 Euro pro Monat (ca. 6.000 Euro pro Jahr),
  • Altersvorsorge: min. 450 Euro pro Monat (min. 5.400 Euro pro Jahr).
  • Abgaben bis hier hin: ca. 13.808 Euro

Max. Jahreseinkommen: 2.352 Euro (pro Monat ca. 196 Euro)

Worin investieren Sie diese 196 Euro monatlich? Müssen Sie evtl. Miete zahlen oder ab und zu etwas essen?

 * Wer auf Dauer mehr als 10 Normseiten pro Stunde bearbeitet, der liest nicht Korrektur, sondern überfliegt die Texte vermutlich nur.

 

 

0,01 Euro pro Wort

 

1875 Wörter pro Stunde* × 0,01 Euro pro Wort = 18,75 Euro pro Stunde

Maximal 808 verkaufbare Stunden × 18,75 Euro pro Stunde = 15.150 Euro pro Jahr

Davon werden abgezogen:

  • Steuern: ca. 18,78 Prozent (2.727 Euro),
  • Krankenversicherung: ca. 500 Euro pro Monat (ca. 6.000 Euro pro Jahr),
  • Altersvorsorge: min. 450 Euro pro Monat (min. 5.400 Euro pro Jahr).
  • Abgaben bis hier hin: ca. 14.127 Euro

Max. Jahreseinkommen: 1.023 Euro (pro Monat ca. 85,25 Euro)

Worin investieren Sie diese 85,25 Euro monatlich? Müssen Sie evtl. Miete zahlen oder ab und zu etwas essen?

  * Wer auf Dauer mehr als 10 Normseiten pro Stunde bearbeitet, der liest nicht Korrektur, sondern überfliegt die Texte vermutlich nur. 1 Normseite enthält ungefähr 187,5 Wörter.

 


 

Und jetzt sind Sie dran!

Welche Preise haben Sie am Markt durchsetzen können? Schreiben Sie mir und wir überlegen gemeinsam, wie wir Ihre Angebote optimieren können!

 

 

 

Webseiten anderer Lektor*innen, die sich mit diesem Thema beschäftigen

Der VFLL hat einen Beitrag zu den Honoraren auf der neuen Website. Ein wichtiger Punkt, der dort angesprochen wird, ist die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.

Die Kollegin Huberta Weigl hat in einem Blogartikel aufgezeigt, wie sie das Thema der Preisgestaltung für Österreich sieht.

 

 

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