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Honorare im Jahr 2018

„Wer freiberuflich arbeitet ...“
Fakturierbare Arbeitszeit bei Lektoren
Kompliziert: Was kostet ein Lektorat?
Ehemalige Empfehlungen aus dem Jahr 2008
Wie haben sich die Preise seitdem entwickelt?
Wie schnell kann man Korrektur lesen?
Preisbeispiele aus dem Internet

 

Sie fragen sich, ob die Stundenpreise oder Seitenpreise, die Sie online gefunden haben, Dumpingpreise sind – oder sogar absolute Mondpreise? Ich habe diesen kurzen Artikel geschrieben, um Ihnen einen Einblick in die Kostenkalkulation einiger Lektoren im Jahr 2018 zu geben. Die Berechnungen beziehen sich zwar auf  Lektorat und Korrektorat, können aber vielleicht auch bei der Beurteilung anderer Dienstleistungen interessant sein.

Der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL), bei dem ich Mitglied bin, sagt zu den Honoraren auf seiner Website:

 

Als Verband können wir keine konkreten Preise nennen, ohne damit den freien Wettbewerb zu berühren. Eine gute Orientierung ist aber der Vergleich mit Vergütungen von Angestellten, die eine ähnliche oder die gleiche Qualifikation besitzen (Freie Lektorinnen und Lektoren haben nahezu ausnahmslos eine abgeschlossene akademische Ausbildung). Oft ist das Erstaunen bei diesem Vergleich groß: „Die verlangen ja weit mehr als das Doppelte von meinem Bruttostundenlohn!!“ Unverschämte Preistreiberei? Mitnichten! Das liegt in der Natur der Sache. Wer freiberuflich arbeitet, kann nur etwa die Hälfte der geleisteten Arbeitszeit tatsächlich fakturieren und muss darüber hinaus alle betrieblichen Kosten selber tragen. So schlägt am Ende leicht das Dreifache des Bruttostundenlohns von Angestellten zu Buche. Das sollten Sie bei der Preisverhandlung berücksichtigen.
(Quelle: https://www.vfll.de/honorare-im-lektorat/)

 

„Wer freiberuflich arbeitet, kann nur etwa die Hälfte der geleisteten Arbeitszeit tatsächlich fakturieren“

Was heißt das genau? 50 Prozent der geleisteten Arbeitszeit werden fakturiert, also den Kunden in Rechnung gestellt – 50 Prozent der Arbeit werden nicht bezahlt.

Diese unbezahlten 50 Prozent werden aber trotzdem hart gearbeitet: Kundengewinnung, Angebotserstellung, Rechnungsstellung, Weiterbildungen, Marketing, Behebung von Computerproblemen, und anderen organisatorischen Aufgaben. In dieser Zeit sind Freiberufler ihre eigene IT-Abteilung, Marketingabteilung, das Controlling und Sekretariat.

 

Wie hoch ist die fakturierbare Arbeitszeit bei Lektoren?

Jedes Jahr gibt es ungefähr 260 Wochentage und im Durchschnitt 10 Feiertage, die auf einen Wochentag fallen. Das bedeutet, es gibt maximal 250 Arbeitstage. Maximal, weil von diesen Tagen (wahrscheinlich) noch Krankheitstage – im Bundesdurchschnitt 2017: 17,4 Tage – und (hoffentlich) Urlaubstage – im Bundesdurchschnitt: 30 Tage – abgezogen werden müssen.

 

 

Tage im Jahr

Arbeitstage bzw. Wochentage Montag–Freitag (365 * 5 / 7)

Feiertage, die auf einen Wochentag fallen

durchschnittliche Krankheitstage

durchschnittliche Urlaubstage

Arbeitszeit in Tagen

365

260

–10

–17,4

–30

= 202

 

Von den 250 Arbeitstagen bleiben also nach Abzug von Krankheits- und Urlaubstagen noch ungefähr 202 Tage übrig. Fertig?
Noch nicht ganz.

Wir erinnern uns, dass durchschnittlich nur 50 Prozent der Arbeitstage in Rechnung gestellt werden können. 50 Prozent von 202 Tagen ergeben also 101 Tage, die der Selbstständige an Kunden verkaufen kann.

Auf Stunden heruntergebrochen ergeben sich also 101 Tage x 8 Stunden = 808 Stunden pro Jahr. Und das jetzt einfach mit einem Stundensatz multiplizieren, und zack, wir haben unser Jahreseinkommen! Aber welchen Stundensatz sollen wir nehmen?

 

 

Arbeitszeit in Tagen

Fakturierbare Arbeitszeit (ca. 50 %) in Tagen 

Fakturierbare Arbeitszeit (ca. 50 %) in Stunden

202

= 101 Tage

= 808 Stunden

 

Was kostet ein Lektorat? Was kostet ein Korrektorat?

Der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren hatte vor etlichen Jahren eine Honorarempfehlung herausgegeben und so probiert, den Mitgliedern wirtschaftliches Handeln näherzubringen und sie für mögliche Folgen von Dumpingpreisen (zum Beispiel diese Altersarmut, von der man andauernd hört) zu sensibilisieren. Diese ehemaligen Honorarempfehlungen sind im Internet an jeder Ecke zu finden, und viele Lektoren und Korrektoren berufen sich auch heute noch auf sie.

 

 

Das sollten Lektoren in Deutschland berechnen: empfohlene Honorare des Verbandes der Freien Lektorinnen und Lektoren e. V.

 

Ich orientiere mich bei meinen Honorarberechnungen an der Honorarempfehlung des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren

 

Meine Preise orientieren sich an den Honorarempfehlungen des Verbandes der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL) e. V.

 

In der Gestaltung meiner Lektoratspreise orientiere ich mich an der Honorarempfehlung für freiberufliche Lektoratsarbeit vom deutschen Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren, VFLL

 

Diese Empfehlung scheint also immer noch eine magische Anziehungskraft zu haben.

Seit einiger Zeit werden keine Empfehlungen mehr ausgesprochen, weil man Angst davor hat, dass die Veröffentlichung einer illegalen Preisabsprache gleichkomme und gegen den freien Wettbewerb verstoße. Und damit es neben dem Kaffeekartell (Strafe: 160 Mio. Euro), dem Bierkartell (Strafe: 338 Mio. Euro) und dem Zementkartell (Strafe: 661 Mio. Euro) nicht auch noch das Lektoratskartell (unheimlich hohen Betrag in Euro einfügen) gibt, stehen vor allem Berufsanfänger vor der Frage, wie sie ihre Preise wirtschaftlich sinnvoll* kalkulieren sollen. Das endet nicht selten in einem permanenten Unterbieten der anderen Dienstleister.

Auch einige Auftraggeber können nicht mehr einschätzen, welcher Preis gerechtfertigt ist und welcher Preis ein Dumpingpreis ist.

 

* Wirtschaftlich sinnvoll in dem Sinne, dass ein Lebensstandard wie bei ähnlich ausgebildeten Arbeitnehmern gehalten werden kann.

 

Zu den ehemaligen Honorarempfehlungen

Wir schreiben das Jahr 2008: Ein halbes Pfund Butter kostet 1,10 Euro, das Briefporto für einen normalen Brief liegt bei 55 Cent, 1 Liter Superbenzin kostet 1,20 Euro. Good old days.

Gleichzeitig sind die Honorarempfehlungen für das Korrekturlesen (Korrektorat) im Jahr 2008 ab 32 Euro, für ein Lektorat ab 42 Euro. Für Werbelektorate und andere Spezialformen des Korrekturlesens werden ab 53 Euro empfohlen. Als Mindestpreis für die Normseite in einem Korrektorat werden damals ca. 3,20 Euro genannt, für das Lektorat 5,30 Euro. Und am 18. August 2008 erscheint ein Text mit dem Titel „Freie Lektoren unterbezahlt“ im Börsenblatt (https://www.boersenblatt.net/artikel-honorarumfrage.225144.html).

Die ehemaligen Mindesthonorare aus dem Jahr 2008 in einer Tabelle zusammengefasst:

 

 

 

Korrektorat

Lektorat

Sonderformen

Seitenpreis

ab 3,20 € ab 5,30 € ab 10,60 €

Stundensatz

ab 32 €

ab 42 €

ab 53 €

zzgl. Handlingkosten für Porto, Drucker, Papier, Computerprogramme, Telefonkosten, Reisekosten

     

evtl. Nachtzuschlag, Expresszuschlag, Wochenendzuschlag, Feiertagszuschlag

     

 

Wie haben sich die Preise seitdem entwickelt?

Wir spulen vor ins Jahr 2018:

  • Butter kostet mit 1,46 Euro im Schnitt stolze 32 Prozent mehr als damals
  • Das Briefporto wurde auf 70 Cent und somit um 27 Prozent erhöht
  • Der Liter Super kostet mit 1,54 Euro 28 Prozent mehr als damals

Nimmt man die Preissteigerung der Post von 27 Prozent als die tatsächliche durchschnittliche Teuerungsrate in den letzten 10 Jahren an, dann erhalten wir folgende Honorare für 2018:

  • Korrektorat ab 40,60 Euro
  • Lektorat ab 53,30 Euro
  • Spezialformen ab 67,30 Euro

Für die Normseite erhalten wir entsprechend:

  • Korrektorat ab 4 Euro
  • Lektorat ab 6,70 Euro
  • Spezialformen ab 13,50 Euro

Diese Preise, auch wenn sie nicht die tatsächliche Inflation abbilden, decken sich mit den Empfehlungen des Bundesverbands freiberuflicher Kulturwissenschaftler aus dem Jahr 2015 (Lektorat: 40–60 Euro je Stunde, Bild- und Textredaktion: 60–80 Euro je Stunde). Die mediafon ((http://www.mediafon.net)) Selbstständigenberatung GmbH, eine Tochterfirma der Gewerkschaft ver.di, nennt diese Preise sogar schon im Jahr 2008 für den Fachverband Freier Werbetexter für „Korrekturlesen und Lektorat je Stunde 50–80 Euro (Durchschnitt 70 Euro)“. Werbetexter müsste man sein. ((Werbetexter hätte man gewesen sein müssen?))

Es müssten sich für das Jahr 2018 also folgende Mindestwerte ergeben:

 

 

 

Korrektorat

Lektorat

Sonderformen

Seitenpreis

ab 4,00 € ab 6,70 € ab 13,50 €

Stundensatz

ab 40,60 €

ab 53,30 €

ab 67,30 €

zzgl. Handlingkosten für Porto, Drucker, Papier, Computerprogramme, Telefonkosten, Reisekosten

     

evtl. Nachtzuschlag, Expresszuschlag, Wochenendzuschlag, Feiertagszuschlag

     

 

Wie schnell kann man (Korrektur) lesen?

Das ist individuell verschieden, aber eines ist gewiss: Mehr als 20000 Zeichen sind auf Dauer, also über mehrere Stunden hinweg, nicht zu machen. Dieser Spitzenwert gilt auch nur für Texte, die auf Papier gelesen werden, in einer guten Schriftart gesetzt sind und Sie den besten Tag Ihres Lebens erwischen.

Im Durchschnitt wird sich diese Zahl auch eher in einem deutlich niedrigeren Bereich bewegen, abhängig von der Fehlerdichte und dem Dokumentationsaufwand.

Zur Erläuterung: 10000–15000 Zeichen pro Stunde, also 6–10 Normseiten die Stunde, sind definitiv keine Seltenheit im Korrektorat, sondern eher die Regel. Im Lektorat ist das wohl der absolute Maximalwert. Bei komplizierten Texten können es im Lektorat auch mal nur 3000 Zeichen die Stunde, also 2 Normseiten, sein.

Aber gehen wir davon aus, dass Sie eine Maschine sind; der ermüdungsfreie Korrekturleser, den sich alle Redaktionen wünschen. Sie müssen nichts nachschlagen, Sie haben alle Regeln der deutschen Sprache verinnerlicht. Die 1000+ Seiten des Grammatik-Dudens und des Rechtschreibdudens können Sie bei Bedarf rezitieren.

Rechnen wir also damit, dass Sie nur professionell erstellte Texte auf Ihrem Schreibtisch liegen haben. Rechnen wir mit den maximalen 20000 Zeichen pro Stunde. Und gehen wir weiterhin davon aus, dass Ihre Akquisemaßnahmen ein voller Erfolg sind und Sie eine Auslastung von 100 Prozent haben.

Maximal können Sie also pro Stunde Korrektur lesen:

  • 13 Normseiten
  • 3333 Wörter

Info: Die durchschnittliche Wortlänge im Dudenkorpus beträgt 6 Buchstaben, bei komplexen Texten mit vielen Wortzusammensetzungen wie bei Abschlussarbeiten und Sach- und Fachbüchern können es im Durchschnitt auch bis zu 12 Buchstaben sein. 20000 maximale Zeichen pro Stunde / 6 Buchstaben = 3333 Wörter pro Stunde)

 

Welche Preise findet man im Internet für ein Korrektorat?

Beispielrechnung bei maximaler Auslastung

Beispiel 2 Euro pro Normseite
Beispiel 1 Cent pro Wort
Beispiel Stundensatz ca. 40 Euro

 


 

Beispiel 1: 2 Euro pro Normseite

2,00 Euro pro Normseite x 13 Normseiten die Stunde = 26 Euro pro Stunde

808 verkaufbare Stunden x 26 Euro pro Stunde = 21.008 Euro pro Jahr

 

Davon werden abgezogen:

  • Steuern: ca. 14,9 Prozent (3.134 Euro),
  • Krankenversicherung: ca. 500 Euro pro Monat (ca. 6.000 Euro pro Jahr),
  • Altersvorsorge: min. 450 Euro pro Monat (min. 5.400 Euro pro Jahr).
  • Abgaben bis hier hin: ca. 14.534 Euro

 

Jahreseinkommen: 6.474 Euro (pro Monat ca. 540 Euro)

 

Worin investieren Sie diese 540 Euro monatlich?

Wie wäre es mit Miete, Essen, Mobilität, Strom, Wasser, Büroausstattung, Urlaubsgeld, plötzlicher Krankheitsfall, höhere Ausgaben als 900 Euro im Rentenalter?

 


 

Beispiel 2: 1 Cent pro Wort

3333,33 Wörter pro Stunde x 0,01 Euro pro Wort = 33,33 Euro pro Stunde

808 verkaufbare Stunden x 33,33 Euro pro Stunde = 26.934 Euro pro Jahr

 

Davon werden abgezogen:

  • Steuern: ca. 18,78 Prozent (5.059 Euro),
  • Krankenversicherung: ca. 500 Euro pro Monat (ca. 6.000 Euro pro Jahr),
  • Altersvorsorge: min. 450 Euro pro Monat (min. 5.400 Euro pro Jahr).
  • Abgaben bis hier hin: ca. 16.459 Euro

 

Jahreseinkommen: 10.475 Euro (pro Monat ca. 873 Euro)

 

Worin investieren Sie diese 873 Euro monatlich?

Wie wäre es mit Miete, Essen, Mobilität, Strom, Wasser, Büroausstattung, Urlaubsgeld, plötzlicher Krankheitsfall, höhere Ausgaben als 900 Euro im Rentenalter?

 


 

Beispiel 3: Stundensatz 40,60 Euro

Stundensatz aus dem Beispiel von oben = 40,60 Euro pro Stunde

808 verkaufbare Stunden x 40,60 Euro pro Stunde = 32.805 Euro pro Jahr

 

Davon werden abgezogen:

  • Steuern: ca. 21,76 Prozent (7.139 Euro),
  • Krankenversicherung: ca. 500 Euro pro Monat (ca. 6.000 Euro pro Jahr),
  • Altersvorsorge: min. 450 Euro pro Monat (min. 5.400 Euro pro Jahr).
  • Abgaben bis hier hin: ca. 18.539 Euro

 

Jahreseinkommen: 14.266 Euro (pro Monat ca. 1.189 Euro)

 

Worin investieren Sie diese 1.189 Euro monatlich?

Wie wäre es mit Miete, Essen, Mobilität, Strom, Wasser, Büroausstattung, Urlaubsgeld, plötzlicher Krankheitsfall, höhere Ausgaben als 900 Euro im Rentenalter?

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